Kinder-Uni am Ruhr-Gymnasium Witten:„Kleider machen Römer – und auch Griechen“

Herrn Woestmann von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU),
Initiator der Kinder-Uni, hat es wieder geschafft, dass die Schülerinnen und Schülern des RGW am 27.02.2026 einen spannenden Vortrag zu hören und zu sehen bekamen.

Herr Dr. Heinz-Helge Nieswandt, ehemaliger Kustos des Archäologischen Museums der Universität Münster erläuterte, was Archäologie ist, welche Forschungsbereiche und relevanten Forschungsgebiete es gibt und sorgte letztlich mit seinem Vortrag dafür, dass den Zuhörerinnen und Zuhörer bewusst wurde, wie etabliert sie heute mit ihrer Kleidung sind.

Mal eben in den Laden, schnell ein paar T-Shirts, Hosen und Kleider für den Sommer kaufen – das gab es in der Antike nicht.

Obwohl archäologische Reste von Textilien nur selten die Jahrhunderte überdauerten, können dennoch aus der römischen Epoche vielfältige Quellen zur Kleiderordnung vom Kaiser bis zum Sklaven herangezogen werden. Zahllose Wandgemälde, Statuen, Mosaike, Reliefs und Terraketten sowie Texte geben einen umfassenden Einblick in die römische aber auch griechische Modewelt.

Asterix und Obelix wissen es schon lange: Die spinnen die Römer, sagen die beiden Gallier. Dr. Nieswandt weiss, dass dieser Satz wirklich stimmt – mit einer kleinen Einschränkung. Es müsste heißen: „Die spinnen, die Römerinnen.“ Nicht weil die Frauen im alten Rom komische Ideen hatten. Sie saßen tatsächlich häufig und lange am Spinnrad. Die Kleidung inklusive der Stoffe wurden anschließend auch meist selbst gewebt.
„Das war auch nötig, denn schon ein Gewand für ein Kind verbrauchte gewaltige sieben Meter Stoff“, erklärt Dr. Nieswandt.

Die Stoffe wickelten sich die Römer und Griechen geschickt um den Körper. Je mehr Falten ein Gewand hatte, je mehr Stoff verwendet wurde, desto schöner wurde es empfunden.
Wer sich ein Kleidungsstück mit viel Stoff leisten konnte, war eben gut betucht – also wohlhabend. Diese Redensart hat sich bis heute erhalten.

Wer durfte welche Kleidungsstücke überhaupt tragen? Welche Stoffe und Farben waren in? Wie saßen Toga, Tunika und Stola? Wozu benötigten die Reichen mehrere Ankleidesklaven und was musste alles beim Faltenwurf der Gewänder beachtet werden? Wer trug wann was? Und wieviel Kleidungsstücke hatte eine Familie?

Jede diese Fragen stellte Herr Dr. Nieswandt und diskutierte sie mit den eifrig teilnehmenden Schüler/innen.

Höhepunkte des Vortrages waren, dass Schülerinnen und Schüler als Models von Dr. Nieswandt und mit Unterstützung seiner Assistentin Nike die typischen Kleidungsstücke der Römerinnen bzw. Römer sowie Griechen angelegt bekamen.

Einem Kind wurde ein offener Peplos, ein typisch griechischer Mantel, angelegt.

Josefin führte eine kunstvoll drapierte Chiton/Calasis aus Leinen mit einer Palla vor.

Als Römerin musste Josefin gleich drei Gewänder übereinander anziehen, damit sie in der Öffentlichkeit auch als die wahrgenommen wurde, die sie war: eine „Matrona“, eine vornehme Dame, die niemand berühren durfte.
Mika wurde in eine Toga, ein schweres, weißes Wollgewand, das ausschließlich männlichen römischen Bürgern vorbehalten war, gehüllt und ein weiteres Kind zeigte sich in einer Tunika.
Ein weiteres Kind zeigte schließlich eine Tunika, ein Kleidungsstück, das im Alltag der Antike weit verbreitet war.


Beim Anlegen der jeweiligen Kleidungsstücke merkten die Models, dass vornehme Römerinnen und Römer etwas mehr Zeit und vor allem Helfer benötigten, um sich anzuziehen.

Herr Dr. Nieswandt erläuterte beim – schon anstrengendem – Einkleiden der Models die Methoden, wie eine Toga oder ein Peplos, raffiniert drapiert wurden.

Bei so viel Eleganz der Oberbekleidung wurden Fragen nach der Herkunft und den Farben der Stoffe gestellt. Aber auch Antworten auf Fragen nach der Unterwäsche, Hosen, dem Schuhwerk sowie der Nacktheit beim Sport blieb Herr Dr. Nieswandt nicht schuldig.

Das Ruhr-Gymnasium Witten dankt Herrn Dr. Nieswandt, seiner Assistentin Nike und Herrn Woestmann herzlich für ihren Besuch und für den unterhaltsamen Vortrag, der sicherlich die eine oder den anderen angeregt hat, bald das Archäologische Museum der Universität Münster zu besuchen.

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