Ruhrportraits – in unregelmäßigen Abständen portraitieren wir in dieser Kategorie Schüler*innen des Ruhrgymnasiums.

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Ruhrportraits: Bassam Al-Tobchee (EF)

Es sind nicht die großen Glücksmomente, die unser Leben prägen, sondern die schweren und krisenhaften Phasen. Der Entscheidung von Bassams Familie nach Deutschland zu kommen, waren Zeiten der tiefen Angst und Bedrohung im Irak vorausgegangen. Die bange Frage nach der Zukunft – einer vollkommen neuen Zukunft in einem völlig fremden Land und Kulturkreis – machte das Abwägen des Für und Wider einer Flucht und die kaum auszuhaltenden inneren Konflikte zu einer schweren Prüfung. Bassam und seine Familie haben viel gewagt, vieles aufgegeben und hinter sich gelassen. 2015 haben sie begonnen in Witten neu anzufangen, sich zu orientieren, sich einzugewöhnen und ein neues Leben aufzubauen. Bassam selbst merkt man das neue Lebensgefühl an. Mit viel Freude, mit viel Engagement, Offenheit und Lernenergie ist er seit diesem Schuljahr Schüler des RGW. Er sei sehr nett in Deutschland aufgenommen worden, berichtet er. Zunächst auf der Adolf-Reichwein-Realschule und jetzt auf dem RGW. Überall habe er bis jetzt sehr viel Hilfe und Unterstützung erfahren. Er empfindet es als unglaubliches Geschenk und hat sich daher vorgenommen, seinerseits über vermeintliche Grenzen hinweg viel zurück zu geben. „Wir sind doch letztlich alle eine Gemeinschaft – wir sind doch Schwestern und Brüder“, sagt er. „Weder die Religion, die Hautfarbe, die Kultur oder Nationalität dürfen uns trennen.“ Sein großer Wunsch ist es, dass Vorurteile überwunden werden, am besten durch Begegnung, Austausch und gegenseitigen Respekt. Bassam ist lebensfroh und voller Pläne. Fußball, Basketball, Tennis und Superbowl interessieren ihn. Musikalisch ist er im Bereich Rap und Hip Hop unterwegs (auch mit eigenen Texten). Er mag Japan Animes, Thriller, mit Freunden unterwegs sein, zocken und Philosophie. Er hat „Bock aufs Lernen“ – neben den Hausaufgaben lernt er im Durchschnitt drei Stunden pro Tag Deutsch, Englisch und Arabisch. Pharmazie ist das Berufsziel, weil man auch damit anderen helfen kann. Ganz anerkennend und fast liebevoll spricht er davon, dass in seiner Heimat von Deutschland als „Deutsche Maschine“ gesprochen wird – „in Deutschland läuft es“ oder „Deutschland läuft“. Im Getriebe dieser Maschine findet Bassam seinen Platz, um im Bild zu bleiben. Und gleichzeitig gehört auch das dazu – in ganz stillen Stunden überkommt dem ansonsten so fröhlichen und ausgelassenen Bassam dann doch die etwas melancholische Erinnerung an das frühere Zuhause und die Sehnsucht, die übrige Familie im Irak wiedersehen zu wollen. Wer kann es ihm verdenken …

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